Schneeschuhtour 2010

Aufstieg zur Schwarzwasserhütte
LVS-Übung unterhalb des Ifen
Ständiger Begleiter und Ratgeber - die Snowcard
Carsten testet die Haltbarkeit der Wächte
Unterwegs Richtung Didamskopf
Ausguck-Pause
Vom Falzerkopf zum Neuhornbachjoch
unterwegs
Abstieg vom Zeigersattel
Karin, das Geburtstagskind
Carsten (immer wieder) unser Wegweiser
unterwegs
unterwegs

Nach Sturm und Schneechaos in den vorangegangenen Tagen trafen wir uns bei  strahlendem Sonnenschein und wunderbarem Neuschnee an der Auenhütte unterhalb des Ifen im Kleinwalsertal: Hans-Georg, Jessica Hartmann, Peter Koch, Karin Poggel, Jürgen Rosenthal, Horst-Dieter Schmidt, Carsten Stahl,  Martin Thomas,  Urdel Götting. Leider musste unser 10. Mann, Gerhard Lauber, der die Tour im wesentlichen geplant hatte, kurzfristig absagen – ein herber Verlust!

Beim  Aufstieg zur schön gelegenen Schwarzwasserhütte gerieten wir ganz schön ins Schwitzen. Dafür war bei der anschließenden  LVS-Übung – absolut notwendig bei Lawinenwarnstufe 3 - schon die Sonne hinter den Bergen verschwunden und die Kälte beeinträchtigte nicht nur das Wohlgefühl in Händen und Füßen sondern auch das geistige Aufnahmevermögen einiger Teilnehmer.

So mussten wir am folgenden Tag, diesmal wunderbar sonnenbeschienen, die LVS-Übung wiederholen, damit auch der letzte der Gruppe die Funktion von Pfeil und Ziffern auf dem Pieps erkannte. Peter fand in Rekordzeit von 1.52 min am schnellsten unseren „Verschütteten“, somit stand fest, dass er auf keinen Fall von einer Lawine erfasst werden durfte, damit er uns alle ggf. retten könnte.

Carstens Plan, mit den guten Lawinensuchern eine erste Gruppe zu bilden und schon mal voraus zu gehen, scheiterte, die Gruppe bestand nur aus Peter. So sind wir mittags doch alle zusammen aufgebrochen, um den Hählekopf (2058m) zu besteigen. Ein fantastischer Rundblick wurde uns geboten.

Auf dem Rückweg kam uns als Überraschungsgast Peter Müermann entgegen, der es sich nicht nehmen ließ, bei uns nach dem Rechten zu sehen. So war ein unterhaltsamer Hüttenabend gesichert.

Da am nächsten Morgen der Lawinenbericht auf sich warten ließ, konnten wir erstmal in Ruhe frühstücken und uns auf die große Tour vorbereiten: -15 Grad, sehr windig und weiterhin Lawinenwarnstufe 3 – die Route musste gut geplant werden. Zunächst auf den Gerachsattel, dann Richtung Didamskopf (2090m), immer einen kritischen Blick auf unsere mögliche Abstiegsroute auf dem Rückweg – ist der Weg unter diesen Gegebenheiten machbar?

Die Mittagspause im Skigebiet bestärkte uns in dem Wunsch, dem Trubel auf den Pisten schnell wieder zu entkommen. Wir entschieden uns, den längeren, aber wunderschönen Rückweg über den Falzer Kopf (1968m) zu nehmen und waren ganz bald wieder in der Abgeschiedenheit der Berge. Ein steiler Aufstieg wurde durch wunderbare Ausblicke in einsame Täler und weite Panoramablicke belohnt.

Beim Abstieg mussten wir dann wieder die SnowCard zu Rate ziehen, um das Risiko des steilen Abstiegs zum Neuhornbachjoch abzuwägen. Ergebnis: einzelner Abstieg und Peter voran, er war ja der schnellste bei der Lawinenübung. Der inzwischen eisige Wind half einigen, Bedenken wegen der Steilheit zügig zu überwinden. Alle kamen wohlbehalten unten und letztendlich auch in der Hütte wieder an. Es folgte wieder ein gemütlicher Abend auf der Schwarzwasserhütte mit der viel beachteten Erkenntnis, dass ein 80m Seil länger als ein 60m Seil ist – offensichtlich hatte das Niveau der Unterhaltung doch etwas unter der intensiven Sonne und Höhenluft gelitten. Aber die Tour war absolut lohnend gewesen.

Am Mittwoch war endlich das Steinmandl (1981m) hoch, der Hausberg der Schwarzwasserhütte, fällig. Beim Abstieg verfolgten wir wieder unser heimliches Ziel der „maximalen Hangzerstörung“: zum Leidwesen nachfolgender Tourengeher rutschte jeder in seiner eigenen Spur den Hang hinab (macht einfach mehr Spaß) und hinterließ so unübersehbare Spuren im  Neuschnee. So kamen wir zu dem nicht sehr schmeichelhaften Namen TTS – Trampeltruppe Siegerland.

Nach einer kurzen Einkehr mussten wir Abschied nehmen von der gastlichen Schwarzwasserhütte und ins Tal absteigen, da wir rüber zum Nebelhorn wollten. Ein schwarzer Tag für Carsten: nicht nur seine Schneeschuhe gingen unterwegs kaputt, auch sein Auto sprang nicht mehr an – Batterie leer. Und dann noch Rückfall ins dekadente Tourileben: Auffahrt zum Edmund-Probst-Haus mit der Seilbahn – da half abends nur noch der Bergteufel (wird wohl in der Hütte selbst gebrannt!?).

Am nächsten Morgen wurde deutlich, warum das Nebelhorn (2224m) so heißt - die Sicht betrug weniger als 15 Meter, an unsere Tour übers Koblat zur Schwarzenberghütte war nicht zu denken. Was blieb uns übrig? Eine erneute Lawinenverschüttungssuche-Übung, diesmal im Nebel. Der tiefe Schnee machte uns das Rumstapfen so schwer, dass uns wenigstens warm wurde. Die wenig ermutigenden Suchergebnisse bestärkten uns in der Erkenntnis, uns im Gelände so vorsichtig und risikoarm zu verhalten, dass wir gar nicht erst in eine Lawine geraten.

Nachmittags sind wir noch – von Stange zu Stange hangelnd – über die Piste zum Nebelhorn-Gipfel aufgestiegen, weniger wegen des Gipfelerlebnisses, mehr wegen der mystischen Nebelstimmung.

Freitag konnten wir dann bei strahlendem Sonnenschein und Neuschnee und nur noch Lawinenwarnstufe 2 zur Schwarzenberghütte aufbrechen. Am Zeigersattel zeigte uns die Snowcard eine Hangneigung von 37º an. Für die Schneeschuh-Neulinge folgte die neue Erfahrung, dass so ein Hang überhaupt begehbar ist - nach Überwindung der natürlichen Skepsis ein tolles Erlebnis! Im Hangauslauf angekommen verriet Karin, dass sie Geburtstag hatte. Umgeben von den sonnenbeschienenen, unberührten schneebedeckten Bergen, außer uns weit und breit keine Menschenseele – also so richtig mitten in der Natur – sangen wir ihr ein Geburtstagslied – es war alles (bis auf einige stimmliche Unsicherheiten) perfekt!

Bei unserer Mittagspause an einer kleinen, eigentlich einsam am Bachlauf liegenden Hütte wurde uns ein Unterhaltungsprogramm der besonderen Art geboten: ein ca. 20 Mann starker Trupp Skitourengänger, offensichtlich Mitglieder der British Army, versuchten mehr oder weniger gekonnt den Hang, den wir von unserem Rastplatz hervorragend einsehen konnten, herunter zu kommen. Anhand des Fahrstils konnten wir recht präzise vorhersagen, wer an welcher Stelle zu Fall kommen würde. Zum Glück war der Schnee schön weich und wir mussten keine Erste Hilfe leisten.

Bei der Schwarzenberghütte angekommen, gerieten wir mitten in die Vorbereitungen zum 25. Daumen-Rennen, das für den nächsten Tag von der Hüttensektion Illertissen geplant war. Für den ausgedehnten Hüttenabend wurde die Hüttenruhe aufgehoben, so konnten wir inmitten der zahlreich vertretenen Illertissener Karins Geburtstag ausgiebig feiern. Dabei lernten wir auch den Lokalmatador und mehrjährigen Gewinner des Rennens Markus kennen, einen kernigen Typ, der den Biergenuss wohlweislich seinen Konkurrenten überließ.

Der nächste Tag war kalt, grau und mit schlechter Sicht, der Abschied sollte uns nicht zu schwer gemacht werden. Dazu ein knüppelharter langer Aufstieg zum Daumen (2280m) in harschigem Schnee – zum Glück boten uns die Teilnehmer des Skirennens, Markus  voran, Ablenkung. Wegen Nebel und Überfüllung auf dem Daumen verzichteten wir auf die letzten100 Meter zum Gipfel und bogen ab übers Koblat Richtung Nebelhorn, wo uns außer ein paar Gämsen nur Ruhe und unberührte verschneite Bergwelt erwartete.

Nach der ausgefüllten, intensiven Woche war diese Tour ein passender Ausklang. Eine Einkehr im Edmund-Probst-Haus beendete unsere Gemeinschaftsfahrt– wir hatten ja noch unsere Karte für die Tal-Fahrt mit der Nebelhornbahn.

Urdel Götting-Boller

Nach oben