DAV Tour Goldberg- und Glocknergruppe mit Großglockner 3798m

 
 
 

Nach einer langen Zugfahrt trafen wir (Jessica, Monika, Urdel und Steven) uns am Freitagabend in Bad Gastein mit Carsten, unserem FÜL. Am nächsten Morgen ging es bei herrlichem Wetter mit der Stubnerkogelbahn hoch auf 2246m. Von hier aus sahen wir, noch in weiter Ferne, das Hauptziel unserer Tour, den Großglockner.
Über den Ü-Reichert Weg erreichten wir mittags den idyllischen Pochartsee, der bei den warmen Temperaturen zu einem ausgiebigen Bad auf 2000 Metern Höhe einlud. Danach ging es gut erholt über den Seekopf, 2413m, zum Niedersachsenhaus, die letzten Meter im Sturmschritt, um vor dem Gewitter anzukommen.
Aufgrund der schlechten Wetterprognose entschieden wir uns am Sonntag, nicht wie geplant über die Herzog-Ernstspitze zu gehen, sondern den direkten Aufstieg zum Sonnblick zu wählen. In schöner Kletterei im I und II Grad über den teils mit Drahtseilen versicherten Ostgrat gelangten wir auf den Gipfel des Sonnblicks, 3106m, wo uns das Zittelhaus Quartier bot, neben der 125-jährigen Wetterwarte gelegen.
Nach dem Gewitter am Nachmittag gab es einen traumhaften Sonnenuntergang, mit 360° Rundblick auf Großglockner und viele andere Gipfel.
Am Montag stand dann die längste Tour an: 12 Stunden, 16 km, 1110 Hm auf und 1910 Hm ab. Früh brachen wir auf, wieder bei strahlendem Himmel. Über das Fleißkees zur Pilatusscharte, 2905m, und den Goldzechkopf, 3042m, erreichten wir schon gegen 10.30 Uhr den sehr windigen Gipfel des Hocharn, 3254m. In  toller Gratwanderung mit einigen Kletter-Passagen kamen wir zu dem sehr heimeligen Otto-Umlauft-Biwak, 2987m. Bei den warmen Temperaturen bildeten sich an dem einen oder anderen T-Shirt erste Schweißkrusten. Der starke Wind verhinderte zum Glück das Aufkommen von Gewittern.
Über den Krumlkeeskopf, 3101m, ging es weiter zum Hochtor, 2576m, an der Großglockner Hochalpenstraße. Von dort stiegen wir zum Hotel ähnlichen Wallackhaus ab, wo Zimmer mit Duschen zu einer gründlichen Reinigung von Körper und Kleidung einluden.
Am nächsten Tag ging es auf dem Klagenfurter Weg über schmale Pfade, schöne Grate, Schneefelder und wegloses Geröll zum Gipfel des Spielmanns, 3024m, einem schönen und - trotz Hochsaison - wenig besuchten Panorama-Gipfel. Der Abstieg erfolgt über die steile Nordflanke in einen weiten, noch weitgehend schneebedeckten Kessel. Dieser Schnee wurde zu einigen Abfahrübungen genutzt, was den Abstieg deutlich verkürzte. Die sehr warmen Temperaturen luden an einem noch teils zugefrorenen See zu einem – doch recht kurzen – (Fuß-)bad ein. Anschließend passten die Bergschuhe wieder viel besser.
Die letzten Höhenmeter führten durch  wunderbar blühende und duftende Bergwiesen. Bei einer langen Rast genossen wir mit allen Sinnen und zögerten die Ankunft im Glocknerhaus hinaus.
Der Mittwoch war als Erholungstag ausgeschrieben. Wir besuchten das Informationszentrum Großglockner auf der Franz-Josefs-Höhe und stiegen über den Gletscherlehrpfad zum unteren Pasterzenboden, 2100m, und dem Gletschertor ab. Dort kann man deutlich den erschreckenden Gletscherrückgang in den letzten Jahrzehnten sehen. Wo vor 20 Jahren noch Eis regierte, befinden sich jetzt nur noch Schutt und Geröll – und hunderte Menschen. Durch den starken Wind und aufgewirbelte Staubwolken fühlten wir uns bei den heißen Temperaturen eher in die Wüste versetzt als auf den größten Gletscher Österreichs.
Nach diesen doch schockierenden Eindrücken waren wir froh, über das Stockerjoch, an den Hängen eines sehr schönen, ruhigen, abgelegenen Tales zur Salmhütte, 2644 m, zu gelangen.
Der  Donnerstag, unser  Gipfeltag, begann um 5.30 Uhr mit einem kurzen „Thermo- Frühstück“. Über einem knackigen, gut gesicherten Klettersteig gelangten wir hoch zur Hohenwartscharte, 3182m, wo uns sehr stürmisches Wetter empfing. Nach einer kurzen Blankeis-Passage, die nur mit Steigeisen bewältigt werden konnte, ging es über den Grat zur Hütte Adlersruhe, 3454 m.
Dort entschieden wir, dass aus Sicherheitsgründen wegen dem starken Föhn-Sturm nur eine 3er Seilschaft mit den jüngeren Teilnehmern zum Gipfel des Großglockners aufstieg. Diese  konnten den Gipfel dank des eher geringen Andrangs aufgrund des schlechten Bedingungen, schon gegen 12 Uhr erreichen und dort sogar zeitweise alleine das Gipfelglück genießen. Beim Abstieg war der Wind so stark, dass eine Böe alle 3 gleichzeitig von den Füßen riss.
Carsten, der vor 3 Jahren schon am Gipfel stand, war schockiert über den starken Rückgang von Eis und Schnee am Glocknerleitl. Hier befindet sich jetzt fast nur noch Schutt und Geröll, was die Aufstiegsbedingungen zum Kleinglockner verschlechtert und die Steinschlaggefahr erheblich erhöht.
Den Tourenplan für den nächsten Tag, Abstieg über das Hoffmannskees zur Pasterze, mussten wir aufgrund der Informationen des Hüttenwarts verwerfen. Durch den Rückgang von Eis und Permafrost hat die Steinschlag- und Absturzgefahr in dem steilen Gelände erheblich zugenommen. Wie richtig diese Entscheidung war, zeigte am Abend ein Absturz eines ungarischen Bergsteigers in besagtem Stück. Dieser Unfall ging zum Glück recht glimpflich aus, jedoch war eine Bergung durch Bergrettung und Hubschrauber nötig.
So gingen wir am Freitag wieder zurück über die Salmhütte zum Glocknerhaus. Auf diesem Weg erreichte uns dann auch der angekündigte Wettersturz und wir wurden von Gewitter und Regen kräftig gewaschen. Auf den geplanten Aufstieg zur Oberwalderhütte mussten wir verzichten. Wir beschäftigten uns daher den Rest des Tages damit, unsere Kleidung und Schuhe trocken zu legen. Glück im Unglück konnte ich das Bundesliga- Eröffnungsspiel im Glocknerhaus schauen.
Am Samstagmorgen hatte sich der Regen immer noch nicht ganz verzogen und die Sicht war aufgrund tief hängender Wolken so schlecht, dass wir anstelle der Tour über die Berge zu Fuß eine Taxifahrt über die Glockner Hochalpenstrasse nach Kaprun wählen mussten.
So konnten wir noch zu der letzten Hütte unsere Tour aufsteigen, zum Heinrich Schwaiger Haus. Von hier starteten die beiden Männer unserer Gruppe zum Großen Wiesbachhorn, 3570m. Statt der angegebenen 3 Stunden benötigten sie 1 ¾ Stunde zum Gipfel. Leider wurde dies nicht mit einem freien Ausblick belohnt.
Diesen konnten die 3 Frauen für sich verbuchen, die sich  mit schöner versicherter Kaminkletterei gemütlich zum oberen Fochezkopf, 3165m, begnügt hatten. Oben angekommen, rissen die Wolken kurz auf und offenbarten den Blick auf Gletscher, Gipfel und Seen.
Am Abend wurde der erfolgreiche Tag mit der Mannschaft des Heinrich Schwaiger Hauses gefeiert. Somit ging eine wunderschöne Tour mit meist traumhaftem Wetter zu Ende.
Vielen Dank an alle, die dabei waren, besonders natürlich an Carsten für die super ausgearbeitete Tour - und an die Sonne, die uns bis auf wenige Auszeiten verfolgt hat.
Steven Jung